Bundeswehr zwischen Auftrag und Gesellschaft 1971

Sacherschließung

01. Akt
Offizier bei Unterricht an Tafel O-Ton: "Wenn-wir davon ausgehen wollen, den Aufbau der Bundeswehr darzustellen, müssen wir zwangsläufig vom Grundgesetz ausgehen, wo wir die ersten Antworten finden. Im Grundgesetz haben wir den Artikel 87a, der besagt, daß der Bund Streitkräfte zu seiner Verteidigung aufstellt. Dabei taucht zum ersten Mal der Begriff "Verteidigung" auf. Diesen Begriff "Verteidigung" müssen wir festhalten. Er verfolgt uns durchgehend bei der Diskussion über die Bundeswehr. Im Artikel 26 wird das noch verdeutlicht. Der Artikel 26 legt uns das Verbot des Angriffskrieges auf, das bedeutet, daß auch Vorbereitungen irgendwelcher Art, die auf einen Angriffskrieg hinzielen, verboten sind. Nicht zu vergessen in der Betrachtung der Bundeswehr der Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes, daß jeder Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland entsprechend dem Grundgesetz das Recht hat, den Pflichtdienst mit der Waffe zu verweigern."

Titel: Verteidigung und Entspannung - Sicherheit

Montage:
Frauenhand bewegt sich vor rotem Punkt - Frei - Gocart Rennen - Sein - Surfing. Strassenwegweiser sich drehend mit Städteanzeigen. Auge, bildfüllend. Mannequins tanzen - Schöne neue Welt - mit jungen Männern. Autorennen. Porsche dreht sich auf Stand. Foto: Mann mit Zigarette im Wintersport - Ein Stück Natur - Homa Gold Margarime. Freddy Quinn singt - Je öfter je lieber - Smog Schornstein - Eine bessere findest Du nicht - Die Revolution von oben. Konsum: Roter Plattenteller. Weg mit dem Grauschlei er von Wäsche. Wiener Opernball. Autoscheinwerfer. Autotürgriff. Tür öffnet sich. Rakete wird hochgerichtet. Plakat: Soldat vor Raketen, Unser Heer. Deutschlands umbequemster Job. Soldat im Park des Ahrensburger Schlosses. Soldat in Feldanzug mit Stahlhelm. Schwenk. Meeting junger Leute auf Wiese liegend. Junger Mann mit roter Schaffnermütze tanzt. Junger Mann in Postuniform tanzt in Diskothek. Jeans. Junger Mann hängt Uniform in Spind.
Werbung: Junges Mädchen mit Kopfhörern in Glassessel. Filter Reval. Auto. Du lebst nur einmal. Tanz.
Junger Mann in Kleiderkammer probiert Stahlhelm auf. Stiefelanprobe. Spind wird eingeräumt.
Werbung: Scotch Whisky. Colgate. Familie sitzt an Tisch. Lokalbesuch mit Freunden.
Grundausbildung auf dem Kasernenhof. Soldaten stehen in Reih und Glied.
Unteroffizier O-Ton:
"Wir übern jetzt das Hinlegen. Robben. Aufstehen." Skeptische Gesichter von Zusehenden. Laufen durch Matsch. Bundestag. Bundesadler im Plenarsaal.
Redner Pawelczyk, SPD, O-Ton:
"Die Wehrstruktur leitet die letzte große Reform auf absehbare Zeit ein."
Redner Wörner,CDU, O-Ton:
"Der Warschauer, Pakt wird stärker, die NATO wird schwächer."
Redner Krall, FDP, O-Ton:
"Die Streitkräfte müssen unuhterbrochen funktionsfähig sein." Redner Schultz, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, O-Ton: "Nur meine ich, daß das Schweigen über Dieses und Jenes, was nicht in Ordnung ist aber was besser gemacht werden könnte, der kritischen Öffentlichkeit eher Anlass zur Kritik gähe, der Wehrbeauftragte nähme seine Wächterfunktion nicht recht wahr, "
Schwenk über Bundeswehrsoldaten bei Unterricht.
Offizier O-Ton:
" ... wenn ich daran denke 1969 die Spenden und Abgaben. Ich bin überhaupt nicht völlig damit einverstanden, ich finde es nicht so doll, was die getrieben haben. Die haben jedoch eine Veränderung bewirkt, spürbar bis hinein in die Bundeswehr. Aber sich Gedanken darüber zu machen, wie wenn unsere beiden Beziehunsren, Vorgesetzter und Untergebener, zweckmäßig, menschlich organisiert wird, darüber müssen wir uns doch Gedanken machen. Und daß die Diskussion überhaupt erlaubt ist, daß Sie mich in Frage stellen können."
Soldat O-Ton:
"Wenn wir noch wie früher den Kadavergehorsam hätten, dann könnten wir nicht unsere gegensätzliche Meinung äußern. Das ist keine Menschlichkeit."
Offizier O-Ton:
"Es ist notwendig, eine Gemeinsamkeit im Sinne einer gemeinsamen Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen können. Es darf sich doch kein Mensch einbilden, daß er alleine alles kann. Kann ich allein die Kompanie führen? Ausgesprochener Blödsinn. Ich brauche Helfer dazu, ich brauche die Mitarbeiter."
Soldat O-Ton:
"Sicher, ich sehe ein, wir haben gewisse Werte zu verteidigen, aber ich sehe es überhaupt nicht ein, mein Vaterland zu verteidigen, wenn ich kein Echo habe."
Offizier O-Ton:
"Vaterland ist sowieso etwas abgegriffen im Begriff. Es kann auch Europa sein. Ich will zumindest aber leben in einem System, wo ich das sagen kann, was ich denke. Wo ich mich mit Ihnen so unterhalten kann, daß wir unsere Meinung sagen können. Daß ich nicht ideologisch das denken muß, was man mir vordenkt."
Wehrübung. Soldaten im Gelände. Diskussion über Angriff.

Berlin:
Fahnen der k Besatzungsmächte am Balkon des Kontrollratsgebäudes. Viermächteabkommen vom Juni 1972. Abrassimov: "Ende gut, alles gut!"
De Bruycker bei Interviews: "Was halten Sie von unserer Bundeswehr?"
Marktmann: Ja, zu unserem Schutz."
Junges Mädchen: "Ich halte sie eigentlich für überflüssig und Geldverschwendung."
Mann mit Pelzmütze: "Sie sollen uns schützen."
Junge Frau: "Wir sind abhängig von den Bündnissen."
Mann: "Zur Abwehr nicht zum Angriff."
Älterer Mann: "Es fehlt doch die Moral bei unserer Bundeswehr. Es ist nicht mehr so wie früher."
Langhaariger: "Und außerdem im Rahmen der Entspannungspolitik jetzt wäre es durchaus möglich, die Bundeswehr langsam zu vermindern."
Panzer im Schneewald und Gelände. Fahrt durch Gelände. Wasser stiebt auf. Flotteneinheit. Marineoffiziere im Gefechtsstand. Flugzeug. Soldat im Schneeanzug kommt aus Unterstand. Hubschrauber landet. Gebirgsjäger im Schnee.

02. Akt
Starfighterflug bei Nacht und am Tage. Cokpit. Wartung. Kunstflug. Landung. Flugzeug im Luftwirbel mit Positionslampen.
Treffen Willy Brandt - Willi Stoph in Erfurt und Kassel. März/Mai 1970. Moskauvertrag August 1970. Brandt-Kossygin. Warschauvertrag Dezember 1970. Brandt-Girek.
Ostberlin: Grundvertrag 1972 Dezember Bahr-Michael Kohl
Schwarz-weiß: Ostmilitärmacht. Vorbeimarsch sowjetischer Soldaten. Panzer, Raketen, Parade. Wien 1973: Vernadlung über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung MBFR.
Farbe: Helsinki 1973: Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE. Scheel, Gromyko.
Willy Brandt am Schreibtisch O-Ton, groß:
"Die Erhaltung des Friedens in Europa beruht bis auf weiteres auf dem Gleichgewicht der militärischen Kräfte. Daher sind unsere Verteidigungsanstrengungen unerlässlich. Es ist, wenn man es genau nimmt, der Respekt, den die Machtblöcke vor ihren wechselseitigen militärischen Fähigkeiten haben und der bewaffnete Konflikte, große bewaffnete Konflikte ausschliess Dieser Respekt, auch Abschreckung genannt, beruht auf der durch die modernen Vernichtungswaffen erzwungenen Einsicht, daß jeder Versuch, politische Probleme mit Gewalt zu lösen, das Risiko der Selbstvernichtung in sich birgt. Dies darf jedoch kein Dauerzustand bleiben. Wir suchen darum mit allen unseren Nachbarn nach Lösungen, die einen echten dauerhaften Frieden sicherstellen. Es wäre jedoch töricht, Entspannung zu wollen, und zugleich den Schutz der eigenen Existenz zu vernachlässigen. Vorerst gehört das Prinzip des militärischen Gleichgewichts zu den Leitsätzen unserer Sicherheitspolitik. Unsere Verankerung im atlantischen Bündnis ist eine entscheidende Voraussetzung dieser Politik. "
Streitkräfte: Aus Schiffsrumpf wird Fahrzeug gefahren.

Schwarz-weiß:
Bomber Kriegsschife, Panzer. Fallschirmjäger, Luftlandetruppen. Regionaler Kräftevergleich NATO-Warschauer Pakt in Zahlen.

Farbe:
NATO-Manöver. Gefechtsstand. Einzeichnen auf Landkarte. Starfigther. Gelände ahrzeug. Funker. Geschütz. Hubschrauber. Bundeswehr-Standfotos aller Sparten.
Bundestag.
[...]B Buchstaller, SPD, O-Ton:
"Ich freue mich darüber, daß Sie, Herr Wehrbeauftragter, die vom Verteidigungsminister eingeleitete Neuordnung der Ausbildung der Streitkräfte aufgegriffen haben. Die moderne Industreigesellschaft verlangt von jedem schnelle Anpassungsfähigkeit, Berufsmobilität und lang anhaltende Lernfähigkeit. Dieser Erkenntnis wird durch die Neuordnung der Ausbildung in Form eines Hochschulstudiums für länger dienende Offiziere und in Form von gezielten Ausbildungslehrgängen für Unteroffiziere Rechnung getragen. Diese umfassende Bildungsreform in der Bundeswehr wird in mittelfristiger Perspektive positive Auswirkungen in den Streitkräften haben und ein besseres Verhältnis zur Bevölkerung nach sich ziehen. "
Matrosen an langen Tischen bei Bearbeitung von Material. Hörsaal. Schweissen. Löten. Schreibmaschinenunterricht.
Schreibmaschinenlehrerin O-Ton.
"So - bevor wir jetzt mit den Zahlenübungen anfangen, die immr ein wenig Zeit kosten, etwas holprig sind, wollen wir noch einmal Taktschreiben machen, damit Sie mehr in Schwung kommen. "
Soldaten schreiben Schreibmaschine nach Musik. Flugzeugwartung. Schwenk Panzer. Kriegsschiff. Raketen.
Zahlen der Kriegsdienstverweigerer steigend. sw: Demonstrationen. Bundestagsadler. Parlamentssitzung. Schiessübung. Pappsoldat fällt um.
Langhaariger Kriegsdienstverweigerer O-Tonfür
"Ich halte Gewalt zur Lösung von Problemen völlig sinnlos, und es ist mir unmöglich in einem bewaffneten Konflikt oder auch an dessen Vorbereitung aktiv mitzuwirken."
Junger Kriegsdienstverweigerer bei geistig gestörten Kindern O-Ton: "Daß ich eben der Meinung bin, daß man mit Hilfe einer bewaffneten Macht, überhaupt mit Hilfe von Waffen, niemals in der Lage sein wird, das hat auch die Geschichte schon bewiesen, irgendwelche Konflikte längerfristig zu lösen."
"Ich habe mich einfach geweigert, auf andere Menschen zu schießen, überhaupt jemand zu töten, für ein Stück Ehre oder ... "
"Und ich arbeite hier im Senator Neumann Heim, eben weil ich glaube, daß ich hier meine Kraft am sinnvollsten einsetzen kann."
Schwenk über Arm eines Soldaten mit Grundgesetz im Ärmelaufschlag.
Helmut Schmidt O-Ton:
"Einem Bürger, der das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen für sich in Anspruch nimmt, dem gebührt Respekt. Nur verhehle ich nicht, daß ein gelegentlicher Mißbrauch des Gewissens zur Durchsetzung politischer Ziele dem Ansehen der Kriegsdienstverweigerung bisweilen auch Schaden zugefügt hat. Und dadurch haben manchmal auch wirkliche Kriegsdienstverweigerer gelitten, die im zivilen Ersatzdienst zuweilen sehr schwere Pflichten erfüllen. Insgesamt aber stellen wir mit großer Befriedigung fest, daß die Bereitschaft unserer Jugend, in diesem Staate Pflichten zu übernehmen, daß diese Bereitschaft insgesamt ständig zunimmt. Nun hat der Buncesminister der Verteidigung vorgeschlagen, in Zukunft für die ungedienten Wehrpflichtigen auf ein Prüfungsverfahren zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer zu verzichten. Die Bundesregierung und auch der Bundestag werden diesen Vorschlag bald in die Tat umsetzen."
Kriegsdienstverweigerer im Sonderschulheim Rudolf Noah mit geistig behinderten Kindern.
Schwenk Gesichter junger Leute.
Offizier spricht O-Ton:
"Es gibt einen 10-Tage-Lehrgang, der nennt sich "Diskussionstechnik", und der wird durchgeführt an der Schule für psychologische Verteidigung. Das klingt jetzt fürchterlich, ich weiß, das klingt jetzt völlig daneben- Das ist aber gar nicht so fürchterlich. Das war vielleicht mal so. Die schiessen auch inzwischen keine Ballons mehr über die Grenze. Die haben sich nämlich eingestellt in Absprache mit der anderen Seite, die dafür de. Soldatensender 904 eingestellt haben. Also auch da ist Entspannungspolitik schon im Gange."
Diskussion bei Versammlung:
"Insofern haben wir ein Nebeneinander von einer Art soldatischer Mitbestimmung Über den Vertrauensmann und dessen Rechten aus dem Soldatengesetz und einer akademischen Mitbestimmung."
"Wann wird zum Beispiel jeder erste allgemeine Studentenausschuß gewählt?" "Tatsache ist zum Beispiel, daß das Curiculum in der Truppe weitgehend unbekannt ist."
"Oder ist der Präsident der Hochschule auch verantwortlich dafür, daß das Soldatengesetz eingehalten wird, oder ist dafür nur der Leiter des Studentenbereiches, der militärische Vorgesetzte zuständig?"
Professor Ellwein, Präsident der Bundeswehr-Hochschule O-Ton:
"Selbstverständlich, der Präsident ist dafür verantwortlich, daß alle Gesetze eingehalten werden, auch das Soldatengesetz.
Fahnenwache marschiert auf. Fahne wird eingeholt.
Unterricht O-Ton. Soldat:
"Sie sagten auch, die Bundeswehr sei nur glaubwürdig, wenn sie von der Bevölkerung unterstützt wird. Aber wie weit wird sei denn unterstützt? Jedermann schimpft darüber, daß seine Steuergelder in einem Panzer versacken. Das ist für mich keine Unterstützung."
Offizier O-Ton:
"Das ist einzig und allein ein Problem der Gesellschaft. Nun ist die Frage: Wie steht die Gesellschaft zu dem Instrument, dem sie den Verteidigungsauftrag gibt."

Orte

Berlin

Themen

13 Findbuch Kulturfilme Deutsche Wochenschau GmbH

Titel:

Bundeswehr zwischen Auftrag und Gesellschaft

Produktionsland:
Federal Republic of Germany

Ereignisdaten

Produktionsjahr:
1971

Stabangaben

Technische Daten

Ausschnitte speichern:
Liste löschen:

Schon entdeckt?

  • Die Zeit unter der Lupe 932/1967
    05.12.1967

  • UFA-Wochenschau 401/1964
    31.03.1964

  • Deutschlandspiegel 161/1968
    28.02.1968

  • Deutschlandspiegel 414/1989
    1989

  • Die Zeit unter der Lupe 892/1967
    28.02.1967

  • Deutschlandspiegel 422/1989
    1989

  • UFA-Dabei 1088/1977
    31.05.1977

  • Neue Deutsche Wochenschau 367/1957
    08.02.1957

  • Welt im Film 162/1948
    02.07.1948

  • UFA-Wochenschau 455/1965
    13.04.1965

Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen unter anderem dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können.
Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
OK